{"id":215,"date":"2012-02-22T13:07:26","date_gmt":"2012-02-22T12:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.iq-consult.com\/enterability\/blog\/?p=215"},"modified":"2012-02-22T13:15:14","modified_gmt":"2012-02-22T12:15:14","slug":"carola-wolff-freie-autorin-schreibt-uber-enterability","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.enterability.de\/?p=215","title":{"rendered":"Carola Wolff (freie Autorin) schreibt \u00fcber enterability"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Mein Name ist Carola Wolff. Ich bin 49 Jahre alt und im Jahr 2009 mit einer Bipolaren Affektiven St\u00f6rung diagnostiziert worden, d.h. ich bin manisch-depressiv. Meine Emotionen fahren mit mir Achterbahn, von himmelhochkreischend bis zu Tode gequ\u00e4lt, und ich sitze in meinem kleinen roten Achterbahnwagen, sch\u00f6n festgeschnallt, ohne M\u00f6glichkeit, auszusteigen, oder auch nur die Fahrt zu verlangsamen.<!--more--><\/p>\n<p>Nicht lustig.<\/p>\n<p>Die Diagnose hat mir zwar so manchen Vorfall in meinem Leben erkl\u00e4rt, aber sie hat mich auch geh\u00f6rig durcheinandergewirbelt. Ich landete f\u00fcr drei Wochen in der Psychiatrie, was mir damals das Leben gerettet hat und ich nehme bis heute Psychopharmaka, die mir erlauben, aus meiner Achterbahn auszusteigen und wenn \u00fcberhaupt, h\u00f6chstens mal mit dem Kinderkarussell zu fahren.<\/p>\n<p>Dann verlor ich meinen Job als Buchh\u00e4ndlerin und musste komplett umdenken. Was nun?<\/p>\n<p>Im Laden stehen, mit Kunden umgehen, war mir nicht mal mehr halbtags m\u00f6glich. Und davon abgesehen, wer w\u00fcrde schon eine fast F\u00fcnfzigj\u00e4hrige mit einem Dachschaden einstellen?<\/p>\n<p>Aber gab es da nicht etwas anderes? Etwas, das ich schon als Kind gerne getan hatte? Etwas, von dem ich schon immer gehofft hatte, es eines Tages zu meinem Beruf zu machen?<\/p>\n<p>Ja: Schreiben.<\/p>\n<p>Ich liebe das Lesen, ich liebe B\u00fccher. Und ich liebe das Schreiben.<\/p>\n<p>Ich hatte bereits Kurzgeschichten ver\u00f6ffentlicht und zwei Heftromane. Sogar eine Agentin hatte ich begeistern k\u00f6nnen, die mit meinem ersten Roman (der meine Erfahrungen mit meiner Krankheit behandelt) zu Verlagen unterwegs ist. Ich besuche regelm\u00e4\u00dfig Writers Coaching Kurse in der Humboldt-Bibliothek und arbeite bereits am n\u00e4chsten Projekt. Aber nur vom Schreiben leben? Riskant. Ich rechnete ein bisschen herum (mein Arbeitgeber hatte eine kleine Abfindung ausgespuckt) und als ich erfuhr, dass das Arbeitsamt meine Pl\u00e4ne mit einem Gr\u00fcndungszuschuss unterst\u00fctzen w\u00fcrde, wagte ich den Sprung.<\/p>\n<p>Die Beraterin im Arbeitsamt war tats\u00e4chlich, unglaublicherweise, freundlich und zuvorkommend. Sie h\u00f6rte sich meine Pl\u00e4ne an, lie\u00df sich zeigen, was ich schon erreicht hatte in dieser Hinsicht und dann dr\u00fcckte sie mir einen Flyer in die Hand: Enterability.<\/p>\n<p>\u201eDie haben eine lange Wartezeit, aber wenn sie erst mal drin sind, helfen die ihnen bei allem!\u201c<\/p>\n<p>Ich musste etwas skeptisch geguckt haben, denn als N\u00e4chstes wurde mir versichert:<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr sie nat\u00fcrlich v\u00f6llig kostenfrei.\u201c<\/p>\n<p>Prima.<\/p>\n<p>Also enterability. Ich hab \u00fcbrigens mal nachgeschlagen: &#8218;to enter&#8216; = eintreten, beitreten, hereinkommen. Und &#8218;ability&#8216; = F\u00e4higkeit, K\u00f6nnen, Geschick.<\/p>\n<p>Eintreten mit Geschick? Hereinkommen in meine eigenen F\u00e4higkeiten? Meinem K\u00f6nnen beitreten?<\/p>\n<p>Komischerweise habe ich sofort an Johnny Depp gedacht. Von wegen Piraten und entern &#8230;Ich sah mich bereits als verwegene Piratenbraut! W\u00fcrde ich einen echten Seelenverk\u00e4ufer betreten und mit einer wilden Mannschaft die Businessweltmeere erobern?<\/p>\n<p>Bei der Einf\u00fchrungsveranstaltung entpuppte sich die verwegene Mannschaft als m\u00fcder, vorsichtiger Haufen. Wo wir zusammentrafen, gab es kein Schiff und keine Weltmeere, daf\u00fcr einen Raum, dessen Fenster vergittert waren und der mich fatalerweise an Station 1 im Humboldtklinikum erinnerte. Der Leiter unserer Runde war auch nicht Johnny Depp, aber daf\u00fcr gnadenlos ehrlich: Die Beratung schl\u00f6sse eine Abberatung mit ein. Ich dachte an meinen unver\u00f6ffentlichten Roman, und mein kleines Ein-Frau-Schiff leckte bereits.<\/p>\n<p>An diesem Tag schlich ich nach Hause mit einem Umweg \u00fcber die B\u00e4ckerei. Ich liebe Schweineohren, besonders die mit Schokolade.<\/p>\n<p>Nach dem ersten Einzelgespr\u00e4ch mit meinem Coach sah die Welt schon wieder ein bisschen besser aus. Mir wurde klar, dass ich eine kompetente, geduldige Person an meiner Seite haben w\u00fcrde, die mir mit allem, auch und gerade mit Formularen und Papierkrieg, zur Seite stehen w\u00fcrde. Sehr erleichternd!<\/p>\n<p>Und dann fingen die Seminare an.<\/p>\n<p>Z.B. Buchhaltung f\u00fcr Existenzgr\u00fcnder: Grundlagen ordnungsgem\u00e4\u00dfer Buchf\u00fchrung, Einnahme-\u00dcberschuss-Rechnung, Umsatzsteuer, Einf\u00fchrung in EasyCash&amp;Tax&#8230;puh! Ich fands so sch\u00f6n, ich habs gleich zweimal gemacht!<\/p>\n<p>Oder Social Media, wo ich alles \u00fcber twitter, facebook und Co. lernte, vor allem, wie man sie f\u00fcr seine Zwecke einsetzt.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes &#8218;Planung und Einrichtung einer Internetseite&#8216;: Zweck und Aufgabe der Homepage, Kosten und Umfang. Domain und Provider etc.<\/p>\n<p>Und dann nat\u00fcrlich noch Seminare in: Marketing, Recht, Steuern, Urheberrecht, Telefontraining &#8230;<\/p>\n<p>Ich war keine Piratin, sondern eine Sekret\u00e4rin geworden!<\/p>\n<p>Aber wenigstens f\u00fchlte ich mich so langsam f\u00fcr alles gewappnet.<\/p>\n<p>Das Einzige, was ich schade fand und immer noch finde ist, das nicht wirklich \u00fcber unsere kleinen Problemchen gesprochen wird. Kaum ein Seminar, wo sich in der Vorstellungsrunde mal einer outet und sagt: Ich habe Aids. Ich habe MS. Ich habe Krebs. Meistens sa\u00df ich ganz alleine da mit meinem Dachschaden, und irgendwann habe ich dann auch nicht mehr davon gesprochen. Aber: wann und wo, wenn nicht hier? Meine Krankheit geh\u00f6rt nun mal zu mir, sie geh\u00f6rt zu meinem Leben. Sie hat mich hierher gebracht, wo ich jetzt stehe, und mich dazu veranlasst, mir meinen Lebenstraum zu erf\u00fcllen. Sie beeinflusst mein Handeln, sie beeinflusst die Art und Weise, wie ich mein Leben und meine Selbstst\u00e4ndigkeit gestalte. Hier, genau hier, m\u00f6chte ich auch dar\u00fcber reden. Mich mit anderen dar\u00fcber austauschen. Mut machen und uns gegenseitig auf unserem Weg unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Enterability hat mich auf die praktische Seite des Selbstst\u00e4ndigseins hervorragend vorbereitet. Die entsprechenden Seminare waren immer professionell aufgebaut, informativ gestaltet und manchmal haben sie sogar Spa\u00df gemacht.<\/p>\n<p>Am meisten profitiert habe ich pers\u00f6nlich jedoch von den Seminaren, die sich nicht mit den harten Fakten, sondern eher mit dem ganzen psychologischen Drumherum besch\u00e4ftigten. Denn was n\u00fctzt mir all mein Fachwissen, wenn ich mir am Ende selbst einen Strich durch die Rechnung mache? Weil ich Angst habe, es nicht zu schaffen, oder weil ich vielleicht gar nicht wei\u00df, was ich wirklich will?<\/p>\n<p>Zum Beispiel das Seminar zu Thema &#8218;Selbstmotivation&#8216;. Warum will mein Kopf nicht, was mein Bauch will, und umgekehrt? Wie kann ich erreichen, das beide sich mal einigen? Warum ist es so wichtig, auf den Bauch zu h\u00f6ren, und warum will meiner schon wieder Schweineohren mit Schokolade?<\/p>\n<p>Ein absolutes Highlight war auch das Seminar &#8218;Unternehmerisches Denken&#8216;. Zum ersten Mal begriff ich, das sich in meiner armen kleinen Person Unternehmerin, Managerin und Fachkraft in einem befinden! Und das jede ausreichend beachtet werden muss?! Was sind meine Lebensziele, wo will ich hin? Geht es mir nur ums Geldverdienen, oder will ich mehr? Habe ich vielleicht gar eine Vision, die ich mit anderen Menschen teilen will? Gute Fragen.<\/p>\n<p>Seit dem 1.10 bin ich &#8218;gegr\u00fcndet&#8216;, d.h. ich bin freie Schriftstellerin. Enterability hat mir bei meinem Businessplan geholfen, beim Antrag auf Gr\u00fcndungszuschuss, und wenn ich \u00fcberlege, wie oft ich ratlos und heulend vor dem ganzen Papierkram sa\u00df, so kann ich die Geduld meines Coaches nur bewundern. Nun ging es um Versicherungen und \u00e4hnlich wichtige Dinge und ich begriff pl\u00f6tzlich, dass ich von nun an eine Solofliegerin sein w\u00fcrde. Ich stehe sozusagen am Rand einer Klippe. Hinter mir geregelte Arbeitszeiten und quengelige Chefs, aber auch bezahlter Urlaub und nette Kollegen. Vor mir eine weite, unerforschte Ebene, voller bunter Verlockungen und Gefahren. Schreiben im Caf\u00e9? Spiegelbestsellerliste? Hartz IV? Egal. Ich breite die Fl\u00fcgel aus. Das hier ist mein Flug. Das hier ist mein Ding.<\/p>\n<p>Als ich meinen Coach fragte, wie lange ich noch kommen d\u00fcrfe, da hie\u00df es: solange ich will. Gut zu wissen. Wenn ich mal einen hilfreichen Aufwind brauche, ist enterability also da.<\/p>\n<p>Ein kleines privates Netzwerk aus leicht besch\u00e4digten, aber unerschrockenen und immer humorvollen Mitstreitern hat sich ebenfalls gebildet. Ich habe hier bewundernswerte Menschen kennengelernt, die ich sehr sch\u00e4tze.<\/p>\n<p>Wir schaffen das schon, getreu meinem neuen Lebensmotto, das ich mir aus dem Seminar &#8218;Unternehmerisches Denken&#8216; geklaut habe:<\/p>\n<p>Leben, lieben, lernen und ein Verm\u00e4chtnis hinterlassen.&#8220;<\/p>\n<p>Mehr \u00fcber Carola Wolff unter <a href=\"http:\/\/www.carolawolff.de\/\">www.carolawolff.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Mein Name ist Carola Wolff. Ich bin 49 Jahre alt und im Jahr 2009 mit einer Bipolaren Affektiven St\u00f6rung diagnostiziert worden, d.h. ich bin manisch-depressiv. 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