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Soziales Unternehmertum und Behinderung – innovative Modelle
Mit ihren unterschiedlichen Modellen schaffen die Ashoka Fellows Michaela Nachtrab und Dr. Frank Hoffmann sowie Existenzgründer Dirk Müller-Remus neue Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung. Sie haben Konzepte entwickelt, die beispielhaft für die Potentiale sozialer Innovationen – nicht nur für Menschen mit Behinderung – stehen.
Michaela Nachtrab, Gründerin von VerbaVoice und Ashoka Fellow, gibt schwerhörigen und gehörlosen Menschen durch einen internetbasierten Schriftdolmetsch-Dienst die Möglichkeit, aktiver am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. VerbaVoice schaltet Dolmetscher per Laptop oder Smartphone zu einem Gespräch zu und überträgt die lautsprachlichen Inhalte direkt als Live-Text zum Mitlesen z.B. für inklusiv unterrichtete hörgeschädigte Schüler oder Studenten. Zusätzlich bietet VerbaVoice innovative Produkte wie den barrierefreien MediaPlayer, mit welchem z.B. politische Veranstaltungen live über das Internet in Gebärdensprache/mit Live-Untertiteln mitverfolgt werden können. Das Geschäftsmodell reduziert die bisherigen Kosten (etwa für Präsenz-Gebärdensprachdolmetscher) um 35 Prozent und sorgt dafür, dass Gehörlose eine weitere Chance erhalten, am gesellschaftlichen Leben noch besser teilnehmen zu können.
Dr. Frank Hoffmann, Gründer von Discovering Hands® und Ashoka Fellow, hat die besonderen Fähigkeiten blinder Menschen erkannt. Er bildet blinde Frauen als Medizinische Tastuntersucherinnen (MTU) aus, und leistet damit einerseits einen Beitrag zur beruflichen Perspektive von blinden Frauen und reagiert andererseits auf einen Missstand in der Brustkrebsfrüherkennung. Die speziell ausgebildeten blinden Frauen haben einen wesentlich besseren Tastsinn als die meisten sehenden Ärzte und können sich mehr Zeit für die Untersuchung nehmen. Eine Studie zeigt, dass MTUs Knoten in der Brust besser und früher erkennen können als Gynäkologen.
Auch Dirk Müller-Remus von auticon meint, dass kaum jemandem bewusst sei, dass einige Behinderungen im richtigen Kontext zu wertvollen Fähigkeiten werden. auticon ist das erste Unternehmen in Deutschland, das ausschließlich Menschen mit Autismus als Software-Tester beschäftigt und deren Dienstleistungen am freien Markt anbietet. Dirk Müller-Remus wird von iq consult im Programm „social impact enterprise“, ermöglicht durch SAP, mit Coaching und kostenfreien Arbeitsplätzen im social impact lab seit Dezember 2011 gefördert.
Die Moderation des Themenabends übernimmt Manfred Radermacher, seit 2004 Projektleiter von „enterability“. Mit seinem Team bei iq consult berät Manfred Radermacher Existenzgründer/innen mit Behinderung.
Die Veranstaltung wird mit Hilfe von VerbaVoice in Live-Text übersetzt, sodass Hörgeschädigte der Diskussion durch Mitlesen folgen können.
Zur Themenreihe Soziale Innovation lädt iq consult regelmäßig erfolgreiche Social Entrepreneure, Wissenschaftler/innen sowie Förderer und Unterstützer ins Social Impact Lab ein. Beispielhafte Projekte werden vorgestellt und aktuelle Themen und Herausforderungen, denen sich Social Entrepreneure stellen, diskutiert. Bisher zählten zu den Gästen u.a. Ashoka Fellows wie Raul Krauthausen (Sozialhelden), Gülcan Nitsch (Yesil Cember), Jürgen Griesbeck (streetfootballworld), Johannes Hengstenberg (Co2 Online) oder Sandra Schürmann (Projektfabrik). Ashoka ist das weltweit größte Netzwerk zur Förderung von Social Entrepreneuren.