Kathlen Hepke: Mein Weg in die Selbstständigkeit

Kathlen Hepke ist mein Name, im März 1964 in der Lutherstadt Wittenberg geboren, aufgewachsen und wohnhaft. Dazu glücklich verheiratet und liebende Mutter einer inzwischen –leider- erwachsenen Tochter. Von Beruf bin ich Ergotherapeutin mit sonderpädagogischer Zusatzqualifikation.

Nach der Geburt meiner Tochter 1989 erkrankte ich an Colitis Ulcerosa, einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit. Seit der Zeit beeinträchtigen sporadisch auftretende, mitunter schwere Schübe, mein Leben…

Langjährig arbeitete ich als Gruppenleiterin in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und weitere 10 Jahre als sozialpädagogische Familienhelferin. Ich bildete mich auf den Gebieten Pädagogik und systemische Beratung weiter. Voller Begeisterung absolvierte ich ein Seminar zur Entspannungstherapeutin und ließ mich 2 Jahre lang berufsbegleitend zur Klangmassagepraktikerin ausbilden (Klangmassage nach Peter Hess).

In meiner Tätigkeit als engagierte Familienhelferin ging ich voll auf. Meine Berufung!, dachte ich lange und war davon mehr als überzeugt. Pause? Erholung? Ruhephase? Nein, das alles brauchte ICH doch nicht, ich liebte meine Arbeit!! Erste Körpersignale ignorierte ich und weitere auch. Letztendlich war das fatal (hinterher ist Mann/Frau immer schlauer), ich habe echten Raubbau an mir begangen. Mit heftigen Schüben „rächte“ sich mein Darm.

Krankenhausaufenthalte waren die Folge und eine 6 wöchige Reha in einer aus meiner Sicht ausgezeichneten Klinik für Psychosomatik in Bad Hersfeld. Eine für mich wichtige, hilfreiche sowie wertvolle Zeit begann. Ein Sich-mit mir- Befassen und Auseinandersetzen. Eine Zeit des Lernens und der Selbsterkenntnis, aber auch eine Zeit der Freude und Erholung, Ruhe und Entspannung.

Mit auf meinem neuen Weg (bewusst war mir, dass ich nicht wie bisher weiterleben konnte und wollte), Veränderung hieß das Zauberwort! , bekam ich u.a. die Anregung zum Nachdenken über meine berufliche Situation. Wie?? Was gab es da nachzudenken!? Natürlich bleibe ich Familienhelferin, das bin ich, das kann ich! Was bitte sollte ich auch tun, in meinem Alter, mit meiner Krankengeschichte? Da wartet kein Arbeitgeber auf mich.

Das Hamburger Modell ermöglichte mir einen stufenweisen Wiedereinstieg. Eine 40 Stunden- Woche allerdings wollte ich mir nicht mehr zumuten. Was mich beunruhigte war die Tatsache, dass ich mit den „nur“ 30Stunden an die Grenzen meiner Belastbarkeit kam. Das verstand ich nicht, irgendetwas war plötzlich anders, hatte sich verändert.

Zu der Zeit meldete ich mein “Studio der Klangmassage“ beim Finanzamt an. Bei dem Geben von Klangmassagen blieb es nicht, ich wollte mehr daraus machen, erlernte erste Massagen und erlebte mich dabei selbst völlig entspannt und im Gleichgewicht. Ich erweiterte mein Angebot und bekam wohltuende und motivierende Rückmeldungen. Es war nicht mehr meine Hauptberuflichkeit, die für mich im Focus stand. Darüber machte ich mir Gedanken, ja fast Sorgen.

Ich erkrankte wieder und musste mich stationär behandeln lassen. In dem Dessauer Krankenhaus kannte man mich schon, ich wurde neben der Schulmedizin auch bestens von einer Psychologin und einer Sozialarbeiterin betreut und beraten. Nach meiner Entlassung fuhr ich zur medizinischen Anschlussheilbehandlung nach Bad Berka und erneut hatte ich Glück mit der Einrichtung und einer Psychologin. Harte Arbeit war es diesmal, mit dem Ergebnis, eine Entscheidung getroffen zu haben: Ich beende meine Tätigkeit als Familienhelferin!

Mit engagierter Unterstützung des Wittenberger Integrationsfachdienstes wurden Alternativen mit mir besprochen und tatsächlich ein Weg für mich gefunden.

(Nein, die Selbständigkeit war noch kein Thema für mich, viel zu groß war meine Angst!)

Ein neuer Arbeitgeber, ein neues Team und neue Aufgaben, jedoch geringe Herausforderungen. Glücklich und zufrieden wurde ich nicht, ich kam dort nicht an, was viel mit mir zu tun hatte. Ich sah mich woanders, in meinem Klangmassage- und Massagewohlfühlraum Zuhause. Mit dieser Tätigkeit ging es mir wirklich gut, verbunden mit positiven Gefühlen. Erstmalig stellte ich mir die Frage, ob ich die Selbständigkeit wagen sollte. Noch hinderten mich endlose quälende Fragen und Zweifel; werde ich davon leben können? Welche Kosten kommen auf mich zu? Ich muss mich selbst versichern, für meine Rente sorgen. Die Entrichtung der Steuer und Versicherungen und, Hilfe!!! Was, wenn ich wieder krank werde?

„Tu es trotzdem!“, sagte mein Bauchgefühl. Im Leben gibt es stets und ständig Risiken und wenig Sicherheiten. Es folgten ein Gespräch mit meinem Arbeitgeber, die Beendigung des Arbeitsverhältnisses sowie der Gang zur Agentur für Arbeit. Noch immer war ich hin- und hergerissen und legte alles in die Waagschale. Von einem versicherungspflichtigen Job mit geringer Stundenzahl träumte ich und übe weiter meine Freiberuflichkeit aus. Das wäre optimal!

Die Zeit verging beunruhigend schnell für mich und das Passende ergab sich dennoch nicht.

Ende des Jahres 2011 erschien ich wieder einmal und mit hängendem Gesicht zum Gespräch bei meiner Reha- Arbeitsvermittlerin Frau Grabo im Amt. Sie erwähnte das Projekt enterability und ermunterte mich, Kontakt aufzunehmen….Erster Telefonkontakt mit Herrn Bittner aus Halle, ein sehr angenehmes und inhaltlich aussagekräftiges Gespräch mit Terminfindung gleich zu Beginn des Jahres 2012 zum gegenseitigen persönlichen Kennenlernen.

Den Kopf voller Gedanken und einem Durcheinander fuhr ich am 4.Januar nach Halle. Meine Aufregung vor Ort legte sich schnell, denn in Herrn Bittner fand ich einen empathischen, aufmerksamen sowie geduldigen Zuhörer. Meine Situation betrachtete er sachlich und realistisch. Er setzte an den Stellen an, die bisher gut liefen und sprach mir Mut zu. Vieles wurde klarer und durchsichtiger für mich. Der Faktor Zeit war der vorerst einzige Wehrmutstropfen, aufgrund der aktuell neuen Gesetzmäßigkeiten für Neugründungen. Nun verfalle ich schnell in Panik, daher tat mir die Ruhe, Ausgeglichenheit und Zuversicht Herrn Bittners sehr gut.

Mein Weg in die Selbständigkeit nahm seinen positiven Lauf. Von großem Nutzen für mich waren auch die von enterability organisierten, kostenfreien Existenzgründerseminare . Die Dozenten erlebte ich fachlich bestens vorbereitet; stellvertretend möchte ich Frau Dörte Werner sowie Herrn Riedel nennen.

Der Businessplan! Ich glaubte daran zu verzweifeln und den Anforderungen an ihn nicht gewachsen zu sein. Ohne die umfangreiche, großartige Unterstützung meines Beraters wäre ich daran definitiv gescheitert! Unbeschreiblich meine Freude, als ich den Zusagebescheid für den Gründungszuschuss vom Amt in den Händen hielt.

Hauptberuflich selbständig seit dem 14.Februar 2012, und nicht nur das, denn ich bin angekommen, zufrieden und glücklich. Natürlich breche ich nicht ständig in Begeisterungsstürmen aus, ich muss mich in Geduld üben und darf nicht erwarten, dass sich Kunden die Klinke in die Hand geben. Alles braucht seine Zeit und Zeit zum Wachsen! Mir ist vor allem wichtig, meine Gesundheit zu pflegen, und ich bin froh, dass es mir schon jetzt gelingt, NICHT zurückzublicken.

Dankbarkeit erfüllt mich, Danke, dass es enterability gibt und beruhigend zu wissen, dass ich mich nicht scheuen muss, mir bei Bedarf einen Rat einzuholen.

 

Dieser Beitrag wurde unter Gründerinnen und Gründer veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>